feministisch und wütend

Lesung mit Jovana Reisinger in Rosenheim

Am vergangenen Samstag ( 16.07.22) war die vielfach ausgezeichnete Autorin Jovana Reisinger in Rosenheim zu Gast. Im Hinterhof der Bibliothek_A stellte sie ihren für den Bayerischen Buchpreis nominierten Episodenroman Spitzenreiterinnen (Verbrecher Verlag) vor.

In ihrem zweiten Roman feiert Jovana Reisinger die Frauen, die sie nach Frauenzeitschriften benennt. Bei der Lesung in Rosenheim zeigte Reisinger auf, welchen Rollenzwängen und welcher Gewalt Frauen in unserer Gesellschaft unterworfen sind. Die fließenden Übergänge von verbaler zu physischer Gewalt verdeutlichte die Schriftstellerin in der vorgelesenen Stelle von Tina, die nur knapp die häusliche Gewalt überlebt. Beschrieben wird, wie die Polizei kommt, um sie und ihre Kinder ins Frauenhaus zu bringen, nicht um den Täter zu verhaften. Im Zentrum der in Rosenheim vorgetragenen Episoden stand weibliche Wut, gespickt mit teils bösem Humor, der jedoch nie seine Protagonistinnen verurteilt. Im Gegenteil legten die vorgelesenen Textstellen den strukturellen, gesellschaftlichen Sexismus offen. Männer sind in dem Werk nur Nebendarsteller, fast Kulisse und haben keine eigenen Namen sondern nur Anfangsbuchstaben.

Die Lesung wurde von einem moderierten Gespräch gerahmt, bei welcher die auch für ihre Menstruations-Kolumne „Bleeding Love“ für Vogue Germany bekannte Schriftstellerin weitere Einblicke in ihre Recherchearbeit und Tätigkeit als Regisseurin gab.

Die Lesung war bereits der dritte Teil einer im Rahmen von der Bundesregierung mit dem Programm „Neustart Kultur“ geförderten Autor:innen Lesereihe. Nach der Sommerpause kommt am 22. Oktober Manja Präkels in das linke Zentrum nach Rosenheim und stellt ihren mit mehreren Literaturpreisen (u.a. Jugendliteraturpreis) ausgezeichneten Roman „Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß“ vor.

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